Monatsarchiv: September 2017

Zwischen Trufis, Torten und Tee

„Bienvenido“ bei den Amigos de San José

Warten, warten, warten…

Mein Traumhut – Teil einer „Tanztracht“

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute ist Dienstag. Zwei Wochen ist es schon her, seit wir in Bolivien gelandet sind. Zwar passiert im Moment nicht besonders viel, aber ein paar Gschichtle gibt´s schon.

Erstes Stichwort TRUFI:

Trufi ist die Abkürzung für Taxi RUta FIjada, also quasi „Taxi mit fester Strecke“. Diese Trufis sind kleine Busse in der Größe ähnlich VW-Bussen, in die ca. 10 Leute – manchmal auch mehr – passen.  Mit denen kommt man für sehr wenig Geld eigentlich überall hin. Je nach Strecke kostet eine Fahrt zwischen 1 und 2,50 bolivianos – umgerechnet also 13-30 Cent. An sich eine echt tolle Sache, für uns aber gerade jetzt noch am Anfang sehr aufregend. Denn ein Trufi hat zwar eine feste Strecke, dafür aber keine Haltestellen. Und es gibt ziemlich viele verschiedene Nummern, die alle woanders hinfahren. Entscheidet man sich nun, von der großen Avenida Richtung Cochabamba zu fahren, muss man erst einmal auf die andere Seite der Straße kommen: Entweder über die vierspurige Fahrbahn rennen (nur zu empfehlen, wenn man lebensmüde ist), oder über den großen Fußgängerüberweg watscheln. Dann geht die hektische Suche nach der richtigen Nummer los: „Fährt die 205 direkt rein oder war das die, die einen riesen Umweg macht?“  „Hat Aracely jetzt 207 oder 270 gesagt?“ „Sind wir letztes Mal sicher mit der 252 gefahren?“ „Ja ja, wird schon passen.“ Dann heißt es, dem Fahrer zu zeigen, dass man gern in sein Gefährt einsteigen möchte. Die Erfahrenen machen das ganz cool, in dem sie einfach den Arm ausstrecken, und irgendwie weiß dann immer genau der richtige Trufi-Fahrer, dass er gerade gemeint ist. Bei uns sieht das nicht ganz so elegant aus. Wir entschließen uns recht kurzfristig, für welche Nummer wir uns entscheiden. Und dann rennen wir auf den Trufi zu, schleudern unsere Arme hoch und rufen zur Sicherheit noch ein bisschen rum, um auf uns aufmerksam zu machen. Peinlich berührt steigen wir dann ein und werden von allen Mitfahrenden eingehend beobachtet – warum kann ich immer nicht einschätzen: Entweder, weil sich mindestens eine von uns den Kopf anschlägt, oder weil wir die blonden, auffälligen Gringas sind. Oder vielleicht doch wegen unserer einmaligen Show kurz zuvor. Wir sitzen – geschafft! Falsch gedacht. Der Verkehr hier ist doch recht gewöhnungsbedürftig. Die Straßen sind sehr breit und ohne Spur-Markierung. Mit viel Abstand passen zwei, wenn es sein muss auch drei Autos nebeneinander. Meistens sind es vier. Es herrscht immer große Konkurrenz und Drängelei. Jeder Trufi-Fahrer weiß damit unterschiedlich umzugehen. Bis jetzt konnte ich zwei Typen erkennen: Den Huper und den Super-Huper. Der Huper ist noch relativ jung und fährt bestimmt noch nicht so lang Trufi. Er sitzt sehr aufrecht und weit vorne am Sitz und hat beide Hände am Lenkrad, außerdem macht er ab und zu sogar den Schulterblick. Mit dem Losfahren wartet er, bis er fertig abkassiert hat. Manchmal ist er ein wenig rebellisch und freut sich, wenn er sich zwischen zwei Autos drängeln konnte. Und er hupt, aber meistens nur wenn er wirklich ungerecht behandelt wurde. Ganz anders ist da der Super-Huper (dieser Typ überwiegt eindeutig.) In seinem Trufi läuft laute Musik, während dem Fahren unterhält er sich mit einem Passagier und Kassieren geht auch nebenher. Er ist ein sehr gerissener Fahrer und schlängelt und drückt sich überall durch, egal wie knapp es zu sein scheint. Nachgeben ist nicht. Und natürlich hupt er auch, quasi ständig. Egal, ob eine Frau am Straßenrand steht (Weil er sie toll findet oder weil er ihr mitteilen will, dass in seinem Trufi noch Platz ist, obwohl alle Sitze schon belegt sind?), ein Hund über die Straße rennt oder ein anderes Trufi sich – genau so penetrant wie er selber – vor sein Trufi gedrängelt hat. (Kleiner Insider, sorry: Wenn ich selber fahren würde, würde ich ständig „Pchiu, pchiu, pchiu“ machen! ?) Tatsächlich bin ich schon hinter einem Trufi-Steuer gesessen! Als wir am Sonntag mit Pedro auf dem Weg zu unserem Willkommensgottesdienst in der Kapelle von Piñami Chico waren, ist ein Trufi auf einem Weg mit vielen kleinen Steinen stecken geblieben. Wir haben uns angeboten, den Wagen aus der Kuhle zu schieben. Ich wurde als die Schwächste ausgemacht und musste mir kurz das Auto erklären lassen und dann Gas geben und losfahren, während die anderen geschoben haben. Hat dann tatsächlich geklappt! Und wer kann schon von sich behaupten, dass er schon mal selber ein Trufi gefahren hat? Zwar nur ein paar Meter, aber egal.

Zurück zum Mitfahrer sein. Man sitzt da also drin, wird ordentlich durchgeschüttelt und muss schon fieberhaft überlegen, wo man genau aussteigen will und was der realistische Preis für die Strecke sein könnte. Man will ja nicht zu wenig geben und zurückgepfiffen werden, aber abgezogen werden genau so wenig. Und dann steigt die Aufregung ins Unermessliche. Man muss nämlich laut durch den ganzen Trufi rufen, wo und wann man aussteigen will. Ziemlich peinlich, wenn man sich da als Ausländer versprechen würde. Und dann, wenn man wirklich nicht mehr länger warten kann, überschlägt sich die Stimme und man vermischt alle möglichen Floskeln. Peinlich. Trotzdem bremst das Trufi ab und man muss bezahlen – Gebe ich dem Fahrer das Geld jetzt über seinen Kopf drüber noch vom Inneren des Trufis oder steige ich aus und reiche es durch das Fenster durch? Antworten auf all diese Fragen finde ich hoffentlich in diesem Jahr!

Nächster Punkt: TORTE 

Johanna hatte am Samstag Geburtstag und es war ein ziemlich voller Tag. Morgens gab es ein großes Frühstück und Kuchen Nummer eins aus dem Weck-Glas von Johannas Mama (hätte ich mich da mal zurückgehalten!). Später ging es dann in das Haus der Josefs-schwestern. Gemeinsam mit den Schwestern haben wir gekocht, mit allem drum und dran: Zwei verschiedene Kartoffelsorten, Avocado mit Bohnen-Erbsen-Eier-Füllung, Hähnchen, Palmherzen und Kochbananen (Liebe Grüße an alle mir bekannten bekennenden Bananenhasser; jedes Mal, wenn es die gibt, muss ich an euch denken!). Und zum Nachtisch Kuchen Nummer zwei. Zu diesem Zeitpunkt hätte man mich schon rollen können, und ich konnte nicht einmal alles aufessen, was auf meinem Teller lag! Mittags haben wir uns dann mit den Mincas (eine Art Jugendgruppe, die bei allen möglichen Aktionen hilft) und Aracely in Piñami getroffen. Da gab es die erste Torte des Tages: vier Biskuit-Lagen und schön viel Sahne-Butter-Creme verziert mit Schokolade und – für das gute Gewissen – eine einsame einzelne Einzelgänger-Erdbeere ;). Zum Glück habe ich ein Mini-Stück erwischt! Und abends ging es dann wieder zu den Schwestern zu einem Treffen der „Freunde von San José“. Als Willkommensgruß haben ein paar Frauen traditionelle Tänze vorgeführt und am Schluss gab es – wer hätte es gedacht – Torte Nummer zwei! Vollgegessen ging es für uns dann wieder nach Hause und direkt ins Bett.

Was mir zum Thema essen noch einfällt: In unserer Straße gibt es viele kleine Läden, in denen man eigentlich alles kaufen kann: Reis, Spülmittel, Obst und Gemüse, Kekse, Brot (Ich habe den Verdacht, dass wir viel mehr Brot essen als alle anderen. Die Verkäufer schauen uns immer ganz komisch an, wenn wir 8 kleine Wecken einkaufen und nicht mal zwei Tage später wieder da stehen!). Und das alles ist so günstig, dass wir beim ersten Einkauf ziemlich verwirrt waren: Als wir 4 Tomaten haben wollten, hat uns Doña Clara – aufgrund der Namensvetterschaft (sagt man das so?) der Laden unseres Vertrauens – nicht vier Tomaten eingepackt, sondern so viele Tomaten, wie man für 4 bolivianos bekommt, also bestimmt 10 Stück. Bis wir das gemerkt haben und wir auch nicht jedes Mal NEIN! rufen wollten, wenn jemand die ganze Tüte mit Gemüse vollgepackt hat, waren am Ende der Straße alle Hände und Taschen voll und wir versuchen immer noch, die Massen an Essen weg zu futtern.

Am Sonntag war dann wie gesagt unser Willkommensgottesdienst und wir wurden wieder sehr herzlich begrüßt, haben sogar alleine gesungen und wurden gesegnet. Danach ging es für mich leider wieder nach Hause:

Ein letzter Abschnitt: TEE 

Seit letztem Donnerstag schleppe ich nämlich ein paar hartnäckige Keime mit mir herum. Sonntag war das Hoch dieses Infekts – bestimmt, weil ich davor so viel Torte gemampft habe! – aber jetzt scheine ich über den Berg zu sein. Geholfen haben mir dabei viel Tee, ein paar Ibu, Tee, und Schlaf. Und Tee. Aber dass eine gute Ibu tatsächlich was helfen kann, wollte mir man hier nicht so richtig glauben. Hier eine Auswahl gut gemeinter Ratschläge: Tee mit Honig, Ingwer und Zitrone und viel Trinken; Ecalyptus-Tee, Eucalyptus-Umschläge, Eucalyptus-Sud ans Bett stellen; dubiose Creme über Nacht auf die Füße schmieren; noch viel dubioseres Pulver in den Tee geben; und mein persönliches Highlight: Eine Zwiebel über Nacht ins Zimmer legen, das saugt die Keime auf und am Morgen ist die Zwiebel schwarz. Diesen Ratschlag mussten wir durchführen, denn wir wurden von der Ratschlaggeberin persönlich dabei überwacht. Das Resultat: Unsere Wohnung hat den Vormittag schrecklich gestunken, die Zwiebel war nicht schwarz und ich nicht gesund. Jeder hat so seine Meinung, was ich am besten zu tun habe, das ist sehr interessant! ?  Natürlich sind alle sehr nett und fürsorglich, jeden Tag schaut jemand vorbei und fragt ob wir etwas brauchen und wie es mir geht. Pedros Mama Eli hat mir sogar während Clara und Johanna in einem Wasserpark waren – Ja, so warm ist es schon! – heiße Suppe, Reis und Hühnchen vorbeigebracht!

Den Umständen entsprechend geht´s mir gut! Ich lese viel, lerne das Vater Unser auf Spanisch und habe Zeit zum Blog schreiben. Das Visum ist in Arbeit – wenn wir es haben, erzähle ich, was wir dafür so alles machen mussten – und ab und zu schnuppern wir schon in unsere Projekte rein. Auch darüber möchte ich erst berichten, wenn alles in trockenen Tüchern ist und ich weiß, wie alles funktioniert!

Und eine Sache muss ich noch loswerden: Wir haben seit Samstag einen eigenen kleinen Kühlschrank! Juhuuu!

Liebe Grüße

Rahel

P.S.: Also das mit dem Newsletter funktioniert einfach nicht! Clara und ich zerbrechen uns schon den Kopf!

P.P.S.: Wer gerne ein Video vom Tanzabend sehen möchte, kann sich gerne melden!

Die ersten Eindrücke

Diese Galerie enthält 4 Bilder.

Endlich da!

Mit dem Flixbus von Ravensburg nach Frankfurt fahren – Langstreckenfliegen von Frankfurt über Madrid nach Santiago de Chile – Flug nach Iquique, Chile und ein letztes Mal fliegen nach Santa Cruz, Bolivien – Seminar in Santa Cruz – 10 Stunden mit dem Bus (endlich!) nach COCHABAMBA! Was da so alles passieren kann, erfahrt ihr hier: 

Die große Reise 

Nach einem doch recht schmerzhaften und tränenreichen Abschied ging es für Clara und mich letzten Montag (11. September) dann endlich los auf die große Reise. Nach 8 Stunden Busfahrt, in der wir uns schon mal an das „Nix-Verstehen“ gewöhnen konnten – der Fahrer hat seeehr undeutlich geredet, sind wir mit viel Puffer in Frankfurt angekommen. Der war aber auch nötig. Wir zwei waren nämlich leicht überfordert mit dem vielen Gepäck und das ganze Herumlaufen wurde zur schweißtreibenden Herausforderung, aber trotzdem ziemlich lustig. Deshalb waren wir froh, als wir unseren Check-in-Schalter gefunden haben und das Gepäck bis zur Endstation Santa Cruz durchchecken konnten. Nach der Sicherheitskontrolle – ich musste meine Schuhe ausziehen, die dann eine extra Runde durch das „Durchleuchtungsgerät“ drehen durften –  haben wir vom BDKJ uns gefunden (Tabea & Sofia, Independencia, & Johanna, die mit uns nach Cochabamba geht). Außerdem war da noch eine ganz schön große Gruppe von Leuten in unserem Alter, die sich als die Freiwilligen vom BKHW (bolivianisches Kinderhilfswerk) herausstellen sollten, zu deren Flügen und Seminaren wir quasi „dazugebucht“ wurden. Um 19.25 ging dann tatsächlich der Flieger Richtung unbekannte Welt. Es war ganz komisch, als wir dann in der Luft waren: Kein deutscher Boden mehr für ein Jahr! Der Flug nach Santiago war eigentlich super. Das Essen war lecker, meine Nebensitzerin vom BKHW war total nett und die Filmauswahl war sehr beeindruckend – alles von Casablanca bis zum neuesten „Fast & Furious“, den ich mir natürlich sofort NICHT angeschaut habe… Nach ein paar Stunden Schlaf sind wir dann das erste Mal auf lateinamerikanischem Boden gelandet. Also rein theoretisch sollte dieses Umsteigen ja völlig problemlos funktionieren, weil wir ja rein theoretisch unser Gepäck bis Santa Cruz durchgecheckt haben. In der Praxis sind wir dann nach Chile eingereist – so richtig mit Stempel und Formular, haben unser gesamtes Gepäck gesucht, wurden komplett durch die Sicherheitskontrollen geschleust und haben alles nochmal aufgegeben (diesmal tatsächlich bis ganz nach Bolivien). Die anderen zwei Flüge über Meer, Anden und (Salz-)Wüsten waren geprägt von Durst, Müdigkeit und Zeitverschiebungsgerechne. Groß war dann natürlich die Erleichterung, als wir dann mit den meisten Habseligkeiten (bei Schokolade und guter deutscher Wurst waren die bei der Einreise ein bisschen skeptisch) und einem 30-Tage-Permiso in Santa Cruz angekommen sind. 

Seminar in Santa Cruz 

Vom Seminar will ich jetzt nicht allzu viel schreiben, sonst lest ihr in 3 Stunden noch. Allein die Fahrt zur Unterkunft könnte zwei Seiten füllen. Es war auf jeden Fall sehr aufregend und ein paar Mal war ich mir ganz sicher, dass wir jetzt sofort einen Unfall bauen. Verschwitzt und ausgelaugt haben wir dann Spaghetti in uns reingestopft und dazu irgendein bappsüßes Zuckerwasser getrunken (ich wurde zwar schon vorgewarnt, aber es ist wirklich ziemlich krass; manchmal waren die Getränke so dickflüssig wie Sirup). Santa Cruz liegt im Tiefland Boliviens und obwohl es hier ja gerade Winter ist, war es schon abends als wir gekommen sind ziemlich warm und tagsüber wirklich bollahoiß (also sehr sehr sehr heiß;) ) mit ganz trockenem, heißem Wind und ich war sehr froh über den großen Wasserspender im Haus. Am nächsten Abend standen alle getrieben vom Hunger und deutscher Pünktlichkeit wie bestellt um 19.00 vor dem Essenssaal. Das Essen war aber noch lange nicht fertig – erste Berührung mit der bolivianischen Gelassenheit. Am Abend kamen andere Freiwillige, die schon seit August hier sind, und sogar welche, die 2016 angefangen haben und jetzt ein halbes Jahr verlängern – im Moment noch recht unvorstellbar für mich! Und bei dieser kleinen Fiesta – ich kann jetzt den Salsa-Grundschritt! – habe ich eine Entdeckung gemacht: Ein Mini-Skorpion! (Nein, ihr braucht euch keine Sorgen machen; die gibt´s da nicht oft und die Biss-Gift-Stärke hätte nur der einer Wespe entsprochen. Außerdem liegt Cochabamba im Hochland, da sollte es generell weniger Tiere haben!) Am nächsten Tag sind wir alle zum Bus-Terminal gefahren. Alle haben sich verabschiedet, unser Bus ist als letztes gefahren. Mit unserer Mentorin Carmen haben wir „Cochabambinas“ ( Zoé, Julia, Teresa mit ihrer kleinen Tochter Laura, Tabea, Sofia, Johanna, Clara und ich) dann 3 Stunden im Busbahnhof verbracht. Und schon wieder haben wir uns die Pünktlichkeit ein bisschen zu sehr zu Herzen genommen: Unser Bus sollte um 20.30 losfahren. Um dreiviertel 8 hat sich ein Großteil der Gruppe kurz verabschiedet um Essen zu holen. Tabea, Clara und ich sind an unserem Platz geblieben und mussten auf eine nicht gerade kleine Menge Gepäck aufpassen. Um 10 nach 8, als immer noch niemand zurückgekommen ist, wurden wir ein bisschen nervös, besonders weil Clara zuvor gelesen hat, dass man spätestens eine halbe Stunde vor Abfahrt am Bus sein sollte. Als um exakt 20.17 (ich hab immer panisch auf die Uhr geschaut!) dann doch alle da waren, sind wir schnell durch den Bahnhof zu unserem Abfahrtspunkt gehetzt. Lange Rede, kurzer Sinn: der Bus ist dann um 21.40 losgefahren. Naaaja, jetzt weiß ich das auch:)

Ankunft in Cochabamba

Nach einer echt entspannenden Busfahrt mit riesigen gemütlichen verstellbaren Sitzen sind wir dann gegen 7 Uhr morgens im Bus-Terminal von Cochabamba angekommen. Nachdem alle ihr Gepäck aus dem Bus gefischt haben, wurden wir sehr herzlich von Pedro, Maria Luisa, Aracely und Don José empfangen, sogar mit selbsgebasteltem Schild mit Glitzer! Mit dem Taxi sind wir auf der großen Avenida Blanco Galinda bis zum Kilometer 11 gefahren und dann zum Kolping-Haus neben der Kirche Cruz Gloriosa, wo Johanna, Clara und ich den nächsten Monat oder vielleicht auch länger wohnen bleiben und haben gefrühstückt. Und da sind wir! Endlich am Ende der Reise angekommen! Seit drei Tagen wohnen wir jetzt hier, aber es fühlt sich an, als wären es schon drei Wochen. Es gibt so vieles zu entdecken und zu „verschaffen“ und so viele neue Namen und Gesichter. Nicht mal die Namen unserer drei Haushunde kann ich mir merken, nur einen: Hilde! Die ist nämlich die süßeste von allen. Apropos Hunde: Ich habe noch nie so viele streunende Hunde gesehen – Papa, du kannst dich auf was freuen! 😀 Bis jetzt war aber noch keiner arg aufdringlich. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich heute immer mit einem riesigen Stecken rumgelaufen bin. Wir waren nämlich Putzsachen kaufen wie richtige Hausfrauen und ich durfte den Besenstiel herumtragen. Was man hier auch super erstehen kann sind frische Früchte. Ich bin jetzt schon ein großer Ananas-Fan, die erste große ist schon verputzt. Gerade eben waren Clara und ich das erste Mal ganz allein einkaufen und wurden – meiner Meinung nach – gar nicht sooo arg übers Ohr gehauen.

Und da sitz´ich jetzt in meinem Bettchen, trinke Coca-Tee und fühle mich, muss ich sagen, sehr gut aufgehoben. Einerseits, weil ich glaube, dass ich echt nix Wichtiges vergessen hab, aber noch viel mehr, weil die Leute hier unfassbar nett und herzlich sind. Unser „equipo“ (Hermana Maria Luisa, Aracely und Padre José Luis) kümmern sich echt um uns, laden uns eigentlich jeden Tag zum Essen ein und sind einfach sehr lieb. Nachher kommen sie auf einen Tee und ein Schwätzchen über unsere Arbeit vorbei. Und auch alle anderen Leute, die wir treffen beim Einkaufen oder wenn Pedro uns durchs Barrio führt, sind sehr herzlich – so mit Umarmung und (angedeutetem) Küsschen auf die Backe – und freuen sich total. Besonders nett war es vorgestern bei den Bordadoras, den Stickfrauen. Da hab ich mich so richtig pudelwohl gefühlt. Sie haben uns übrigens überredet uns das Sticken beizubringen, also werde ich da bestimmt den ein oder anderen freien Nachmittag verbringen!

Das wär´s dann mal so fürs Erste!:) Ich könnte noch viel mehr erzählen, zum Beispiel vom Verkehr (da brauch ich aber echt noch mehr Erfahrung:D), aber bevor ich jetzt vom Hundertsten ins Tausendste komme, warte ich lieber noch, bis wir dann wirklich anfangen zu arbeiten!

Liebe Grüße ins herbstliche Deutschland (hier ist es manchmal schon richtig warm!)

Rahel

P.S.: Ein paar Bilder sollten theoretisch in der Galerie zu finden sein –  wenn nicht bitte melden! 😀

 

Hallo, ich bin´s!

Hallo zusammen!

 

 

Das hier ist also mein Blog über mein Jahr in Cochabamba, eine doch recht große Stadt in Bolivien. Herzlich Willkommen! Für alle, die mich nicht kennen und per Zufall hier her gelangt sind: Mein Name ist Rahel Hildebrand, ich bin 18 Jahre alt und wohne zur Zeit noch mit meiner Familie (meinen großen kleinen Bruder und mich sieht man übrigens auf dem Foto!) in Weingarten in der Nähe vom Bodensee. Vor zwei Monaten habe ich mein Abi gemacht und werde mich in genau 10 Tagen auf die große Reise nach Lateinamerika begeben und dort ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren. Zum Glück aber nicht allein: Gemeinsam wohnen und arbeiten werde ich mit Clara Schwab, die auch aus Weingarten kommt, und Johanna Lieberth aus Bamberg. Genaue Details über die Arbeit gibt´s dann von dort!

 

 

Im Moment geht´s mir richtig gut, ich freue mich total auf alles (außer auf die Sache mit dem Visum: Wir reisen mit einem Touristenvisum ein und beantragen dann erst vor Ort das „Richtige“-verbunden mit wahrscheinlich unzähligen Behördengängen…naja). Nur die Sprache macht mir noch ein bisschen Sorge. In der Schule hatte ich zwar seit der 8. Klasse vier Stunden pro Woche Spanischunterricht, aber in der letzten Zeit war das jetzt nicht so mein Glanzfach. In der Hoffnung, dass es mir weiterhilft, habe ich mir jetzt schon zwei Filme auf spanisch angeschaut:). Auch sonst versuche ich, meine To-Do-Liste abzuarbeiten. Als brave Neuwählerin habe ich heute meine Briefwahlunterlagen abgeschickt-echt aufregend!-, war mal wieder auf der Bank und (ha!) arbeite mich ins Blog-Wesen ein (so was dauert bei mir nämlich immer länger, weil die Technik grundsätzlich nie auf meiner Seite sein will). Und dann muss ich noch mein Zimmer ausräumen und PACKEN! Zwei Gepäckstücke á 23 kg und ein Handgepäcks-Rucksack – mal schauen was alles mit rein darf!

 

Und dann geht´s bald los! So richtig kann ich immer noch nicht fassen, dass ich einfach für ein Jahr von hier abhaue. Mehr gibt es im Moment eigentlich nicht zu erzählen. Sobald wir angekommen sind und ich eine ruhige Minute finde, melde ich mich wieder!

Liebe Grüße aus Weingarten (noch!)

Rahel