[:de]Zwischen Trufis, Torten und Tee[:]

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„Bienvenido“ bei den Amigos de San José

Warten, warten, warten…

Mein Traumhut – Teil einer „Tanztracht“

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute ist Dienstag. Zwei Wochen ist es schon her, seit wir in Bolivien gelandet sind. Zwar passiert im Moment nicht besonders viel, aber ein paar Gschichtle gibt´s schon.

Erstes Stichwort TRUFI:

Trufi ist die Abkürzung für Taxi RUta FIjada, also quasi „Taxi mit fester Strecke“. Diese Trufis sind kleine Busse in der Größe ähnlich VW-Bussen, in die ca. 10 Leute – manchmal auch mehr – passen.  Mit denen kommt man für sehr wenig Geld eigentlich überall hin. Je nach Strecke kostet eine Fahrt zwischen 1 und 2,50 bolivianos – umgerechnet also 13-30 Cent. An sich eine echt tolle Sache, für uns aber gerade jetzt noch am Anfang sehr aufregend. Denn ein Trufi hat zwar eine feste Strecke, dafür aber keine Haltestellen. Und es gibt ziemlich viele verschiedene Nummern, die alle woanders hinfahren. Entscheidet man sich nun, von der großen Avenida Richtung Cochabamba zu fahren, muss man erst einmal auf die andere Seite der Straße kommen: Entweder über die vierspurige Fahrbahn rennen (nur zu empfehlen, wenn man lebensmüde ist), oder über den großen Fußgängerüberweg watscheln. Dann geht die hektische Suche nach der richtigen Nummer los: „Fährt die 205 direkt rein oder war das die, die einen riesen Umweg macht?“  „Hat Aracely jetzt 207 oder 270 gesagt?“ „Sind wir letztes Mal sicher mit der 252 gefahren?“ „Ja ja, wird schon passen.“ Dann heißt es, dem Fahrer zu zeigen, dass man gern in sein Gefährt einsteigen möchte. Die Erfahrenen machen das ganz cool, in dem sie einfach den Arm ausstrecken, und irgendwie weiß dann immer genau der richtige Trufi-Fahrer, dass er gerade gemeint ist. Bei uns sieht das nicht ganz so elegant aus. Wir entschließen uns recht kurzfristig, für welche Nummer wir uns entscheiden. Und dann rennen wir auf den Trufi zu, schleudern unsere Arme hoch und rufen zur Sicherheit noch ein bisschen rum, um auf uns aufmerksam zu machen. Peinlich berührt steigen wir dann ein und werden von allen Mitfahrenden eingehend beobachtet – warum kann ich immer nicht einschätzen: Entweder, weil sich mindestens eine von uns den Kopf anschlägt, oder weil wir die blonden, auffälligen Gringas sind. Oder vielleicht doch wegen unserer einmaligen Show kurz zuvor. Wir sitzen – geschafft! Falsch gedacht. Der Verkehr hier ist doch recht gewöhnungsbedürftig. Die Straßen sind sehr breit und ohne Spur-Markierung. Mit viel Abstand passen zwei, wenn es sein muss auch drei Autos nebeneinander. Meistens sind es vier. Es herrscht immer große Konkurrenz und Drängelei. Jeder Trufi-Fahrer weiß damit unterschiedlich umzugehen. Bis jetzt konnte ich zwei Typen erkennen: Den Huper und den Super-Huper. Der Huper ist noch relativ jung und fährt bestimmt noch nicht so lang Trufi. Er sitzt sehr aufrecht und weit vorne am Sitz und hat beide Hände am Lenkrad, außerdem macht er ab und zu sogar den Schulterblick. Mit dem Losfahren wartet er, bis er fertig abkassiert hat. Manchmal ist er ein wenig rebellisch und freut sich, wenn er sich zwischen zwei Autos drängeln konnte. Und er hupt, aber meistens nur wenn er wirklich ungerecht behandelt wurde. Ganz anders ist da der Super-Huper (dieser Typ überwiegt eindeutig.) In seinem Trufi läuft laute Musik, während dem Fahren unterhält er sich mit einem Passagier und Kassieren geht auch nebenher. Er ist ein sehr gerissener Fahrer und schlängelt und drückt sich überall durch, egal wie knapp es zu sein scheint. Nachgeben ist nicht. Und natürlich hupt er auch, quasi ständig. Egal, ob eine Frau am Straßenrand steht (Weil er sie toll findet oder weil er ihr mitteilen will, dass in seinem Trufi noch Platz ist, obwohl alle Sitze schon belegt sind?), ein Hund über die Straße rennt oder ein anderes Trufi sich – genau so penetrant wie er selber – vor sein Trufi gedrängelt hat. (Kleiner Insider, sorry: Wenn ich selber fahren würde, würde ich ständig „Pchiu, pchiu, pchiu“ machen! ?) Tatsächlich bin ich schon hinter einem Trufi-Steuer gesessen! Als wir am Sonntag mit Pedro auf dem Weg zu unserem Willkommensgottesdienst in der Kapelle von Piñami Chico waren, ist ein Trufi auf einem Weg mit vielen kleinen Steinen stecken geblieben. Wir haben uns angeboten, den Wagen aus der Kuhle zu schieben. Ich wurde als die Schwächste ausgemacht und musste mir kurz das Auto erklären lassen und dann Gas geben und losfahren, während die anderen geschoben haben. Hat dann tatsächlich geklappt! Und wer kann schon von sich behaupten, dass er schon mal selber ein Trufi gefahren hat? Zwar nur ein paar Meter, aber egal.

Zurück zum Mitfahrer sein. Man sitzt da also drin, wird ordentlich durchgeschüttelt und muss schon fieberhaft überlegen, wo man genau aussteigen will und was der realistische Preis für die Strecke sein könnte. Man will ja nicht zu wenig geben und zurückgepfiffen werden, aber abgezogen werden genau so wenig. Und dann steigt die Aufregung ins Unermessliche. Man muss nämlich laut durch den ganzen Trufi rufen, wo und wann man aussteigen will. Ziemlich peinlich, wenn man sich da als Ausländer versprechen würde. Und dann, wenn man wirklich nicht mehr länger warten kann, überschlägt sich die Stimme und man vermischt alle möglichen Floskeln. Peinlich. Trotzdem bremst das Trufi ab und man muss bezahlen – Gebe ich dem Fahrer das Geld jetzt über seinen Kopf drüber noch vom Inneren des Trufis oder steige ich aus und reiche es durch das Fenster durch? Antworten auf all diese Fragen finde ich hoffentlich in diesem Jahr!

Nächster Punkt: TORTE 

Johanna hatte am Samstag Geburtstag und es war ein ziemlich voller Tag. Morgens gab es ein großes Frühstück und Kuchen Nummer eins aus dem Weck-Glas von Johannas Mama (hätte ich mich da mal zurückgehalten!). Später ging es dann in das Haus der Josefs-schwestern. Gemeinsam mit den Schwestern haben wir gekocht, mit allem drum und dran: Zwei verschiedene Kartoffelsorten, Avocado mit Bohnen-Erbsen-Eier-Füllung, Hähnchen, Palmherzen und Kochbananen (Liebe Grüße an alle mir bekannten bekennenden Bananenhasser; jedes Mal, wenn es die gibt, muss ich an euch denken!). Und zum Nachtisch Kuchen Nummer zwei. Zu diesem Zeitpunkt hätte man mich schon rollen können, und ich konnte nicht einmal alles aufessen, was auf meinem Teller lag! Mittags haben wir uns dann mit den Mincas (eine Art Jugendgruppe, die bei allen möglichen Aktionen hilft) und Aracely in Piñami getroffen. Da gab es die erste Torte des Tages: vier Biskuit-Lagen und schön viel Sahne-Butter-Creme verziert mit Schokolade und – für das gute Gewissen – eine einsame einzelne Einzelgänger-Erdbeere ;). Zum Glück habe ich ein Mini-Stück erwischt! Und abends ging es dann wieder zu den Schwestern zu einem Treffen der „Freunde von San José“. Als Willkommensgruß haben ein paar Frauen traditionelle Tänze vorgeführt und am Schluss gab es – wer hätte es gedacht – Torte Nummer zwei! Vollgegessen ging es für uns dann wieder nach Hause und direkt ins Bett.

Was mir zum Thema essen noch einfällt: In unserer Straße gibt es viele kleine Läden, in denen man eigentlich alles kaufen kann: Reis, Spülmittel, Obst und Gemüse, Kekse, Brot (Ich habe den Verdacht, dass wir viel mehr Brot essen als alle anderen. Die Verkäufer schauen uns immer ganz komisch an, wenn wir 8 kleine Wecken einkaufen und nicht mal zwei Tage später wieder da stehen!). Und das alles ist so günstig, dass wir beim ersten Einkauf ziemlich verwirrt waren: Als wir 4 Tomaten haben wollten, hat uns Doña Clara – aufgrund der Namensvetterschaft (sagt man das so?) der Laden unseres Vertrauens – nicht vier Tomaten eingepackt, sondern so viele Tomaten, wie man für 4 bolivianos bekommt, also bestimmt 10 Stück. Bis wir das gemerkt haben und wir auch nicht jedes Mal NEIN! rufen wollten, wenn jemand die ganze Tüte mit Gemüse vollgepackt hat, waren am Ende der Straße alle Hände und Taschen voll und wir versuchen immer noch, die Massen an Essen weg zu futtern.

Am Sonntag war dann wie gesagt unser Willkommensgottesdienst und wir wurden wieder sehr herzlich begrüßt, haben sogar alleine gesungen und wurden gesegnet. Danach ging es für mich leider wieder nach Hause:

Ein letzter Abschnitt: TEE 

Seit letztem Donnerstag schleppe ich nämlich ein paar hartnäckige Keime mit mir herum. Sonntag war das Hoch dieses Infekts – bestimmt, weil ich davor so viel Torte gemampft habe! – aber jetzt scheine ich über den Berg zu sein. Geholfen haben mir dabei viel Tee, ein paar Ibu, Tee, und Schlaf. Und Tee. Aber dass eine gute Ibu tatsächlich was helfen kann, wollte mir man hier nicht so richtig glauben. Hier eine Auswahl gut gemeinter Ratschläge: Tee mit Honig, Ingwer und Zitrone und viel Trinken; Ecalyptus-Tee, Eucalyptus-Umschläge, Eucalyptus-Sud ans Bett stellen; dubiose Creme über Nacht auf die Füße schmieren; noch viel dubioseres Pulver in den Tee geben; und mein persönliches Highlight: Eine Zwiebel über Nacht ins Zimmer legen, das saugt die Keime auf und am Morgen ist die Zwiebel schwarz. Diesen Ratschlag mussten wir durchführen, denn wir wurden von der Ratschlaggeberin persönlich dabei überwacht. Das Resultat: Unsere Wohnung hat den Vormittag schrecklich gestunken, die Zwiebel war nicht schwarz und ich nicht gesund. Jeder hat so seine Meinung, was ich am besten zu tun habe, das ist sehr interessant! ?  Natürlich sind alle sehr nett und fürsorglich, jeden Tag schaut jemand vorbei und fragt ob wir etwas brauchen und wie es mir geht. Pedros Mama Eli hat mir sogar während Clara und Johanna in einem Wasserpark waren – Ja, so warm ist es schon! – heiße Suppe, Reis und Hühnchen vorbeigebracht!

Den Umständen entsprechend geht´s mir gut! Ich lese viel, lerne das Vater Unser auf Spanisch und habe Zeit zum Blog schreiben. Das Visum ist in Arbeit – wenn wir es haben, erzähle ich, was wir dafür so alles machen mussten – und ab und zu schnuppern wir schon in unsere Projekte rein. Auch darüber möchte ich erst berichten, wenn alles in trockenen Tüchern ist und ich weiß, wie alles funktioniert!

Und eine Sache muss ich noch loswerden: Wir haben seit Samstag einen eigenen kleinen Kühlschrank! Juhuuu!

Liebe Grüße

Rahel

P.S.: Also das mit dem Newsletter funktioniert einfach nicht! Clara und ich zerbrechen uns schon den Kopf!

P.P.S.: Wer gerne ein Video vom Tanzabend sehen möchte, kann sich gerne melden![:]

Ein Kommentar

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  1. Alles Gute weiterhin und Grüße an Clara!
    Deine Kiechles

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