[:de]Straßenfeste, Quinceañera und Karaoke[:]

[:de]Juhu, das ist der erste Eintrag in der Kategorie „Freizeit“!

Straßenfeste

Letztes Wochenende waren wir gleich auf zwei Straßenfesten und haben die erste Begegnung mit der bolivianischen Tanz-Kultur gemacht. Samstags war abends ein großer Umzug in Colcapirhua am km 9, also gar nicht weit weg von uns. Mit Pedro, Aracely und ihrer Tochter Wara sind wir gegen 7 los und haben uns erst durch Menschenmassen und unzählige Essensstände gequetscht. Fies, wenn man bedenkt, dass wir noch nichts gegessen hatten und eigentlich noch gar kein Straßenessen essen dürfen und es damit auch später nicht übertreiben sollen – mindestens einen Monat zum „akklimatisieren“ sollten wir einhalten. Aber da gibt es halt auch sooo leckere Sachen! Salchipapa  (gebratene Wurststückchen mit Kartoffeln) Hamburger-Stände oder typisch frittiertes Hühnchen mit Pommeskartoffeln für wenig Geld. Allein die Gerüche! An ein ziemlich hartes süßes Gebäck mit Zuckerglasur hab ich mich dann aber doch gewagt – genehmigt von Aracely. Und dann haben wir uns den Umzug angeschaut (auf Anfrage schicke ich wieder gerne Videos?). Das Ganze ist vergleichbar mit der Fasnet daheim, nur, dass es hier WIRKLICH nur zum Spaß ist ?. Unzählige bunte Menschen sind tanzend, singend und Musik machend an uns vorbeigezogen, das war schon echt toll anzuschauen (Wer an der Musik interessiert ist: Hört euch mal „Señora Chichera“ an, das hat jede zweite Kapelle gespielt!). Jedes Kostüm und jeden Tanz zu beschreiben, würde – mal wieder – den Rahmen sprengen. Am besten hat uns allen aber „Tinku“ gefallen (nicht zu kurze Röcke und rhytmische Musik). Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht zu den Auserwählten gehöre, die sich Tanzschritte einfach so merken, ohne Scheu drauf los tanzen können (außer beim Blödsinn machen) und es dann auch noch gut aussieht. Daher war ich doch ganz froh, dass ich mich den zwei Händen entziehen konnte, die mich mitziehen wollten. Dafür hat es Johanna und Clara erwischt, die sich auf jeden Fall viel besser angestellt haben als ich es gekonnt hätte! Später sind wir dann ein bisschen rumgelaufen und haben ganz gekonnt die durch Alkoholkonsum vermehrten Rufe nach uns „Gringas!“ und „Choquitas!“ an uns abprallen lassen. Pedro hat uns die Kirche in Colcapirhua gezeigt – zugestopft mit Lilien in allen Farben – und wen treffen wir da? Padre Gonzalo, den Ex-Pfarrer aus Cruz Gloriosa, von dem wir zum Essen eingeladen wurden. Aber ganz bolivianisch ohne Datum oder so?. Dann haben wir was gemacht, was ganz typisch für solche Straßenfeste ist: Tischkickern. Für ein kleines bisschen Geld kann man sich ganz viele harte Partien an unzähligen aneinandergereihten Kickern liefern. Und dann gings auch bald wieder brav nach Hause.

Am Sonntag war dann in Uspha-Uspha, am km 9 auf der anderen Seite von Cochabamba, eine Marienprozession der dortigen Gemeinde, die dann in einen Umzug genau wie am Tag zuvor übergegangen ist. Und abends gab es dann noch einen Wettbewerb zwischen den Tanzgruppen. Wir sind morgens mit Hermana Justy hingefahren und haben gemeinsam mit den anderen Schwestern für die Tanzgruppe der Firmlinge gekocht und haben uns dann den Umzug angeschaut – es war echt ziemlich heiß, keine einzige Wolke am Himmel. Ich frage mich, wie die Tänzer das den ganzen Weg ausgehalten haben! Vor allem die Jungs, die in einem gebastelten Stierkörper gesteckt sind. Genau wie bei uns das Rössle, Kili! ? Leider hab ich davon kein Bild.

Quinceañeras

Am nächsten Wochenende waren wir wieder auf einem Straßenfest auch hier in der Nähe – ich habe allerdings den Namen des Stadtteils vergessen, es war irgendwas mit T. Auch mit Tischkickern und Tänzern, aber alles noch einen Tick größer. Und ganz spontan wurden wir dann noch auf einen Quinceaños eingeladen. Hier und in ganz Lateinamerika werden die 15. Geburtstage der Mädchen – sofern finanziell möglich – ganz groß gefeiert. Und schick sollte man sein! Also mussten wir nochmal schnell heim und Jeans, Pulli und Turnschuhe in Kleidchen und Ballerinas umtauschen. Trotzdem waren wir total „underdressed“ wie man so schön sagt – alle Jungs in Anzug und die Mädels ziemlich überwätigend geschminkt und gekleidet?. Was ich aber auch gern sage: „Wir haben eh den Gringa-Bonus!“. Trotzdem muss ich mir vielleicht doch bald mal schickere Ausgeh-Klamotten zulegen… Die ganze Party war DAS Erlebnis des Wochenendes. Mittelpunkt waren die frisch 15-jährigen Zwillinge in Glitzerkrönchen, Tüllträumen in türkis und unglaublich hohen silbernen Schuhen. Die ganze Aufmachung hat mich eher an eine kleine Hochzeit erinnert – Tanz mit Papa und Freund, dreistöckige Torte, passende Deko mit Stuhlüberzügen etc. Auch einen Moderator gab es, der die Leute zum Tanzen aufgefordert hat und allerlei Aktionen angeleitet hat (Einzug der Quinceañeras, Anschneiden der Torte, Übergabe der Geschenke und die „hora loca“ – 5 verkleidete Leute, die nur Blödsinn gemacht haben). Leider ist dann der unausweichliche Moment gekommen, in dem ich dann doch tanzen musste. In zwei langen Reihen, immer Mädchen und Junge gegenüber, habe ich dann alles brav über mich ergehen lassen und am Schluss hat es tatsächlich Spaß gemacht. Sogar ein paar Schritte Tinku und Morenada (ein anderer Tanz) habe ich gelernt, hoffentlich kann ich mich nächstes Mal wieder dran erinnern!

Karaoke

Am nächsten Tag wurden wir von Waras (Tochter unserer Vermieterin Beatriz) Kumpel Pacho zur Karaoke bei ihm daheim in Quillacollo eingeladen. Ein bisschen aufgeregt war ich dann doch, weil ich sonst nur im KJW-Chor ein bisschen im Alt in der Masse untergetaucht bin oder allein im Auto mein Bestes gegeben hab. Deshalb war ich doch beruhigt, als sich herausgestellt hat, dass außer uns, Pacho und Wara nur noch zwei andere da waren, die sich kein einziges Mal getraut haben zu singen. Es waren drei richtig nette und entspannende Stunden, so unter Gleichaltrigen ist das gleich ganz anders! Resultat des Abends: Ich habe ein bisschen an Selbstvertrauen gewonnen und lerne jetzt fleißig Disney-Songs auf Spanisch!

Wie ihr seht, sind wir schon ein bisschen im gesellschaftlichen Leben Boliviens angekommen! Juhu! Zum Glück gibt´s Leute, die uns überall hin mitnehmen. Uns geht es so weit gut (außer einigen gesundheitlichen Ausfällen meinerseits…), der Alltag ist langsam da und in der Arbeit wissen wir wie der Hase läuft (oder auch frei übersetzt nach Clara Schwab: „Sabemos como corre el conejo.“)

 

Liebe Grüße

eure Rahel (, die sich jetzt doch sehr ernsthaft überlegt, hauptberuflich Opernsängerin oder Tänzerin zu werden! Höhö…)

 

Auf der Pasarela nach Colcoapirhua

Kleine Salay-Tänzerinnen

Das ist Tinku!

Caporales-Tänzer mit viel Bling-Bling

Unsere Mini-Karaoke-Party

Passt zwar nicht zum Beitrag, aber die Hunde-Welpen sind einfach sooo flauschig gewesen!

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