Meine Kartoffeln waren da!

Am Sonntag habe ich Mama um halb 4 Uhr an den Flughafen begleitet und habe jetzt Zeit, euch mal wieder ein bisschen was zu erzählen.

Nachdem ich mich von einer „bakteriellen Bronchitis“ Anfang März dank Antibiotika halbwegs erholt hatte, ist Papa an einem Sonntag Mitte März angekommen. Wir haben sowohl Quillacollo, als auch Cochabamba unsicher gemacht; waren auf der Cancha, auf dem Cristo, in Kirchen (wenn sie denn auf hatten) und haben gut gegessen. Dienstags sind wir dann relativ ungeplant nach Sucre gefahren (eigentlich wollten wir ja nach Uyuni, aber am abgemachten Tag ist die Frau des Busunternehmens einfach nicht aufgetaucht!). Auch hier haben wir uns auf Kirchenjagd begeben und auch hier waren alle bis auf eine geschlossen. Papa hat sich durch bolivianische Köstlichkeiten wie Salteñas oder „Teigbällchen“ probiert und wir haben so richtig Urlaub gemacht. Freitagmorgen haben wir dann Kili und Mama abgeholt.

Gleich am ersten Tag wurden sie auf den Cristo geschleppt und einen Tag später mit dem Bus und Pedro nach La Paz und weiter nach Copacabana. Keine so gute Idee! Gleich auf 4000 m gehen sollte man lieber bleiben lassen, die Höhe hat allen ein wenig zu schaffen gemacht. Wieder gut gemacht haben das aber unser wunderschönes Hostel und die freilaufenden Lamas im Garten (das kleine mochte Kili und mich nicht so…). Wir haben – wieder – lecker gegessen, waren auf der Isla del sol und sogar im Palmsonntagsgottesdienst, wo wir doch glatt einen Mitfreiwilligen aus Coroico (Nähe La Paz in den Yungas) samt Besuch getroffen haben.

 

 

 

Noch ein paar typische Titicacaseepostkartenbilder. Rechts oben sind Papa und ich ganz früh (also wirklich früh, wenn man mal unsere winzigen Augen anschaut!) auf den Aussichtsberg gestiefelt und fast vollendet :D. Nach Copacabana sind wir auch noch ein bisschen in La Paz geblieben und haben uns die Stadt und das Valle de la luna angeschaut. Außerdem haben wir mal wieder lecker gegessen, einmal im Restaurant von Pedros Großeltern und das andere Mal im Fischrestaurant seiner Großtante.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pünktlich für die Karfreitagsprozession in Piñami sind wir wieder nach Cochabamba gefahren. Eigentlich war die Prozessionsstrecke vorher abgemacht, wir haben aber dann doch den ein oder anderen Umweg zu mehreren Häusern gemacht, die eigentlich gar keine Kreuzwegstation vorbereitet hatten. Mama und Papa haben ziemlich gelacht 😀

 

 

 

 

 

 

 

Das war in der Osternacht. Das Osterfeuer wurde irgendwo in der Wiese entzündet, aber es war trotzdem sehr schön. Eine Überraschung war im Gottesdienst, dass beim Gloria wenn die Lichter angehen, Blumen gestreut wurden! Können wir das bitte auch in Deutschland einführen?! Am Ostersonntag waren wir nach der Messe bei Don José und Doña Dora zum Essen eingeladen. Mein schönstes Ostergeschenk war ein echter Lindt-Hase von daheim mit wirklicher Lindt-Schokolade! Lecker. Er lebt schon nicht mehr.

Und dann mussten Mama, Kili und Papa natürlich auch mal noch zusammen mit nach Piñami mitkommen:

Allgemein haben wir in diesen Tagen sehr sehr sehr viele Essenseinladungen bekommen. Das folgende Bild ist bei Javier und Patricia in ihrem kleinen Paradies in „El Paso“.

Und in der Dienstagsmesse bei den Brüdern waren sie auch dabei. Da ist Papa was rausgerutscht, an das sich hier bestimmt noch alle ganz lange erinnern werden können. Das Wort für Kartoffel (papa) wird so betont wie bei uns Papa (Vater). Die Eltern (auch „papás“) betont man aber auf der zweiten Silbe. Papa hat sich und Mama mit den Worten vorgestellt „Nosotros somos las papas de Rahel.“ also „Wir sind die Kartoffeln von Rahel.“ Höhö…:D

Am Mittwoch nach Ostern sind Kili und Papa dann wieder nach Deutschland geflogen und Mama ist noch drei Wochen hier geblieben. Wir haben viel gemacht und gesehen. Das Highlight war aber natürlich die Tour durch die Salzwüste (Salar de Uyuni) und den umliegenden Naturpark.

Wieder typische Tourifotos (danke an Ronaldo, unseren Fahrer, der sich beim Fotos machen voll ins Zeug gelegt hat:D). Für das untere Bild sind wir übrigens um halb 5 aufgestanden, um bei Sonnenaufgang die Geysire zu sehen! Danach ging es dann in heiße Quellen.

Ein dreiviertel unserer Gruppe – die zwei Schweden Löten und Martin fehlen. Und obwohl es so aussieht, pinkeln wir hier NICHT ins Quinuafeld. Die Pflanzen wachsen da im Nirgendwo ohne Wasser! Dafür haben sie grade mit einer Raupenplage zu kämpfen.

Nach einer Erholungsnacht in Uyuni ging es für uns weiter nach Potosí, die Minenstadt. Und was macht man in einer Minenstadt? Richtig, die Mine besuchen. Davor hatte ich wirklich richtig richtig Angst. So schlimm war es dann doch nicht, aber schon eines der beeindruckendsten Dinge, die ich je gemacht habe. In die Mine wurden zu Präkolonisationszeiten Verbrecher zur „Besinnung“ geschickt. Die Europäer haben dann die indigenen Einwohner unter menschenunwürdigen Bedingungen dort arbeiten lassen. Heutzutage sind die Arbeiter in Grüppchen organisiert. Sie erhalten kein regelmäßiges Einkommen, sonder nur so viel, wie sie aus der Mine „rausholen“. Und da waren wir wirklich drin, im ganz normalen „Betriebsschacht“ und mussten immer ausweichen, wenn mal wieder jemand eine Ladung Mineral raustransportiert hat. Auch den „Tío“ haben wir besucht, den „Gott der Unterwelt“, den die Mineros anbeten, damit er ihnen nichts tut. Das war schon sehr bedrückend. Dann habe ich allerdings drei Heiratsanträge bekommen und hätte nicht gedacht, dass die Mineros auch so aufgeschlossen und lustig sind, anders ginge es wahrscheinlich aber auch nicht. Als wir dann wieder Sonnenlicht gesehen haben, war ich doch sehr froh.

Da Sucre auf dem Weg nach Cochabamba liegt, sind wir da zur Erholung auch noch hingefahren und haben es uns gut gehen lassen. Daheim war Mama ganz fleißig in allen Gruppen der Gemeinde. Unter anderem auch bei den Stickfrauen:

Das war also mein Familienbesuch:). Und in nicht mal vier Monaten bin ich schon wieder daheim. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht!

Ich übe jetzt fleißig drei mal die Woche Chacarera, damit das beim Pilgerfest Urkupiña auch alles klappt. Wer meine Gruppe mal sehen möchte, hier mal wieder ein Link: https://www.youtube.com/watch?v=2Ceb27IiIBA

Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich das mit Uspha letztes Mal schon erwähnt habe, aber doppelt hält ja bekanntlich besser: Montags gibt es dort keine Hausaufgabenbetreuung mehr und wir werden nur noch donnerstags hin gehen. Dafür haben wir jetzt unsere Englischstunden vermehrt und haben drei Gruppen am Montag.

Uuund es scheint, als hätte ich mir Läuse eingefangen. Mich wundert aber, dass es so lang gedauert hat, denn die Kinderköpfe haben es den lieben Tierchen offensichtlich sehr angetan. Naja, ich mache jetzt jede Woche einmal Haarwaschung mit Läuseshampoo und habe mir ein Kopftuch zum arbeiten gekauft.

In diesem Sinne

krabbelige Grüße aus Bolivien

Rahel

P.S.: Während des Veröffentlichens ist noch was passiert: Johanna wurde von nem Hund gebissen, als dieser aus der Tür seiner Besitzer gelassen wurde! Um 7 abends erst! Ihr geht es gut, es ist eine recht kleine Wunde und der „Täter“ ist auch geimpft. Jetzt bin ich doch ganz froh, dass ich alle möglichen Impfungen über mich ergehen lassen habe! 😀

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